m Gegensatz zum Auto hat der Lastwagen Druckluftbremsen. Diese reagieren ein bisschen verzögert. "Habt ihr das im Griff?", fragt Michael Knaus, einer von drei Trainern der Verkehrsfachschule Markdorf, die Feuerwehrfahrer. "Nein", gibt einer freimütig zu. Zu selten fahren die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr mit den Einsatzfahrzeugen. Knaus erklärt den Fahrern, wie sie das Lenkrad halten sollen und dass der Fahrersitz so eingestellt sein muss, dass das Bein auch bei einer Vollbremsung nicht vollständig ausgestreckt ist.
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Dann geht’s los: Auf einer Straße im Maulburger Industriegebiet haben die Trainer links und rechts mehrere Lampen aufgestellt, die bei Bedarf ein rotes Haltesignal geben. Eine Anzeigetafel zeigt die Geschwindigkeit des Feuerwehrautos an. Im ersten Durchgang fahren sie 40 Stundenkilometer. Mehr oder weniger schaffen es alle, genau am roten Licht anzuhalten. Im zweiten Durchgang sollen es 50 Stundenkilometer sein. Jetzt wird es schon schwieriger. Manch einer kommt erst nach dem Licht zum Stehen. "Das wäre ein Auffahrunfall", kommentiert Michael Knaus. Andere Fahrer bremsen hart ab. "Ihr müsst daran denken, dass ihr beim Einsatz Leute hinten drin habt, die womöglich gerade ihre Einsatzkleidung anlegen. Die fliegen bei so einer Bremsung nach vorne", stellt Knaus fest.
Im dritten Durchgang sollen die Fahrer mit 60 Stundenkilometern an die Lichter heranfahren. Gleichzeitig treibt Knaus, der über Funk mit den Fahrern sprechen kann, sie an: "Auf los, gib Gas, schneller, mach schon!" Die Fahrer wissen nicht, welches der Lichter rot wird und wo sie halten müssen. Als eines auf Rot springt, bremsen sie hart ab. Ein Tanklöschfahrzeug gerät ins Schlingern. Der Fahrer lässt die Bremse los, um wieder in die Spur zu kommen. Dafür fährt er weit über das rote Licht hinaus. Auch von den anderen schaffen es nur wenige, rechtzeitig zum Stehen zu kommen. Diese Erfahrung soll pädagogische Wirkung erzielen.
Im Einsatz stehen die Fahrer oft unter Stress, erklärt Knaus. Voll mit Adrenalin wollen sie möglichst schnell am Einsatzort sein, oft werden sie noch angetrieben. Deshalb fahren sie möglichst schnell, und das mit einem Fahrzeug, mit dem sie wenig Übung haben. "Dabei passieren oft Unfälle", meint der Trainer. Deshalb schärft er den Seminarteilnehmern ein, sich ganz aufs Fahren zu konzentrieren und alles andere auszublenden. "Ihr seid Busfahrer, die ihre Leute sicher von A nach B bringen müssen", sagt er. Und er schärft ihnen ein, dass hohe Geschwindigkeit Unsinn ist. "Fahrt zum Einsatz so wie ihr zum Vesperholen fahrt", sagt Knaus. Meist sind es relativ kurze Strecken bis zum Einsatzort. Eine höhere Geschwindigkeit bringt einen Zweitgewinn, der im Sekundenbereich liegt, aber ein viel größeres Sicherheitsrisiko.
Noch unsicherer wird die Sache auf glatter Fahrbahn. Auf einem Streckenstück haben die Trainer Folien ausgelegt, die mit Schmierseife besprüht werden. An einem bestimmten Punkt müssen die Fahrer eine Vollbremsung machen, schauen, wie das Fahrzeug reagiert. Kein großes Problem ist das bei Fahrzeugen mit Antiblockiersystem. Doch diejenigen, die das nicht haben, brechen aus, die Fahrer müssen die Bremse zwischendurch loslassen, um die Spur zu halten. Und je höher die Geschwindigkeit, desto gefährlicher wird die Rutschpartie. "Viele staunen, was zehn Stundenkilometer Unterschied ausmachen", stellt Trainer Thomas Dworak fest.
An weiteren Stationen geht es um die Reaktionszeit, um das Einschätzen der Fahrzeugmaße beim Rückwärtsfahren, Wenden oder Einparken, oder um das Fahren in engen, womöglich zugeparkten Straßen. Aufgestellte Warnhütchen müssen, umfahren werden. Der Beifahrer des Teams geht bei dieser Übung gleich nebenher, weil viele Hütchen fallen. "Vor allem hinten links werfen sie oft die Hütchen um. Im Ernstfall wäre das ein parkendes Auto, das sie rammen", stellt Thomas Dworak fest. Rund viereinhalb Stunden dauern die praktischen Übungen insgesamt, nochmal so lange der Theorieteil, in dem es etwa um die Vorrechte beim Fahren mit Sondersignal oder um Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung geht.
Alle paar Jahre veranstaltet der Kreisfeuerwehrverband ein solches Seminar mit der Verkehrsfachschule Markdorf, die das als Einzige in Baden-Württemberg anbietet. Einen Mangel an Fahrern haben die Feuerwehren im Landkreis Lörrach nicht, stellen der Verbandsvorsitzende Günter Lenke und der stellvertretende Kreisbrandmeister Werner Schmid fest. Und das, obwohl der benötigte Lastwagen-Führerschein 1500 bis 2000 Euro kostet. Will man auch mit Anhänger fahren, kostet er gut 2500 Euro.
In der Regel ist es im Landkreis so, dass die Gemeinden einen Teil des Führerscheins finanzieren, den Rest muss der jeweilige Feuerwehrmann selbst bezahlen. "Aber eine freiwillige Feuerwehr ist für die Gemeinde natürlich immer noch die billigste Lösung", betont Schmid. Doch meist fehlt es den Fahrern an Praxis. Deshalb fordert Michael Knaus die Feuerwehrleute auf: "Ihr müsst euren Kommandanten klar machen, dass ihr mehr fahren müsst. Ihr müsst diese Dinge üben, üben, üben!"